Rettungsdienst-Fortbildung "Luftrettung"
beim Christoph 35 (Klinikum Brandenburg/Havel)
am 04.03.2006

Erlebnisbericht von Boris Schweizer
(Rettungsassistenten/Vollzeitklasse November 2005)
„Luftrettung“ (Klassenfahrt, unmittelbar vor dem Einführungspraktikum im Rettungsdienst an
der staatlich anerkannten Ausbildungsstätte für Rettungsassistenten/innen in Potsdam (BBW e.V.).
Ein kalter Tag, trotz klarem Himmel. Langsam nähert sich unser Bus dem Marienberg. Aussteigen
und staunen! Da stand sie also, orange, kraftvoll, wie eine Hornisse. Die „BO- 105 CBS 5“;
260 km/h schnell, mit 425 Pferdestärken. Starr vor Kraft und doch auf dem Sprung, jederzeit
bereit, aufzusteigen und Menschenleben zu retten.
Ich war angetan von diesem Anblick. Ich hatte schon vorher Rettungshubschrauber gesehen, aber
jetzt hier zu stehen, war trotzdem ein erhebendes Gefühl. Weit reicht das Auge von hier oben,
203 ft über dem Meeresspiegel. Am Hangar von Brandenburgs Rettungshubschrauber des
Bundesministeriums für Inneres; Rufname: Christoph 35.
Als Herr Ritscher, Leiter der Rettungsdienstschule, unserer Rettungsassistentenklasse in Vollzeit
vor, zwei Wochen einen Ausflug vorschlug, war zu erwarten, dass es ein ebenso lehrreicher wie
interessanter Tag werden würde, doch es entpuppte sich als viel mehr.
Übereinstimmend fand das Luftrettungsseminar des Brandenburgischen Bildungswerkes für Medizin und
Soziales e.V., Potsdam, mehr als nur Zustimmung. Unsere Klasse als auch die Kameraden der DLRG
staunten nicht nur über unbekannte Technik, sondern auch über die extrem hohe Professionalität,
mit der die Männer und Frauen der Bundespolizei, der Johanniter Unfallhilfe sowie die Notärzte,
die ausschließlich aus Anästhesisten des Klinikum Brandenburg gestellt werden, ihre Arbeit
verrichten.
Obwohl es Samstag früh war und wir alle nach „nächtlichem Lernen“ noch ein wenig müde waren,
staunten wir nicht schlecht über die ersten einführenden Worte von dem stellvertretenden
Rettungsflugleiter, David Kreuziger. …“ohne Euch gäbe es uns nicht…!“ Wie, ohne Euch?
Teamleistung wird hier nun mal extrem gefördert. Anders wäre es auch nicht möglich, an
Unfallorten Hand in Hand zu arbeiten und eine funktionierende Rettungskette zu stellen.
Aber damit ging es erst richtig los.
Acht Stunden lang erfuhren wir die Essenz der Flugrettung, lernten etwas über den Down Wash,
den Black out Effekt, das Blaue Loch und Christoph Europa. Wir erfuhren, warum der RTH besonders
beim Massenanfall von Verletzten, aber auch bei vielen Internistischen Notfällen eine sinnvolle
Ergänzung zum bodengebundenen NEF darstellt.
Des Weiteren wurde die spezielle Einsatztaktik, die Indikation RTH, aber auch die
außergewöhnliche Technik thematisiert. Und auch der alltägliche Dienst kam nicht zu kurz.
So schmunzelten wir über die Hantelbank am Flugdeck, staunten über seltene Gegengifte und
errechneten uns die Flugzeit nach Potsdam. Natürlich saß auch der ein und der andere selbst
im RTH und musste feststellen, das Platz hier Luxus ist. Patient als auch Crew sind äußerst
effektiv in der sog. „Zelle“ untergebracht, was das Arbeiten am Patienten während des Fluges
zur hohen Kunst macht.
Ich persönlich fand es cool, wie gelassen und respektvoll die Brandenburger Luftretter uns
jede noch so detailreiche Frage beantworten, sich Zeit nahmen, die Dosis von Medikamenten zu
erörtern und den Flugfunk zu erklären.
Leider jedoch geht auch der informativste Tag irgendwann einmal zu Ende und so saßen wir abends
alle hoch motiviert und bester Laune im Bus zurück zur Ausbildungsstätte in Potsdam.
Als besonders erwähnenswert fand ich vor allem die gute Organisation und die Begleitung durch
die Seminarblöcke. Aber auch Dr. Hans Werner Federer soll nicht unerwähnt bleiben, war er doch
der erste echte „fliegende Notarzt“. Er legte damit den Grundstein für den weltweit besten
Flugrettungsdienst.
Und während Herr Behrend mit den anderen „ein Hoch auf unseren Busfahrer“ sang, saß ich hinten
am Fenster, sah zum Himmel auf und träumte davon, eines Tages auch zur Menschenrettung zu
fliegen und mich dem Tod in den Weg zu stellen.
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